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Ich bin Barkeeper

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Cocktail Glaeser ich bin barkeeper

Einblicke in die Welt hinter dem Tresen

 



Ich bin Barkeeper. Ich verstehe mich darauf, jedem Gast an der Nasenspitze anzusehen, ob er gut oder schlecht gelaunt ist und ich kann mich diesen Stimmungen immer prima anpassen. Ich weiß, dass manche Gäste zu cholerischen Anfällen neigen, wenn sie ihre Drinks so erhalten, wie sie sie bestellt haben. Ihre Bestellung „Wie immer“ kann ich stets zweifelsfrei von all den anderen „Wie immer“ unterscheiden. Die Sahne beim White Russian ganz unten, bitte. Es macht mir nichts aus, beschimpft zu werden, denn als Barkeeper nimmt man nichts persönlich. Außerdem ist es ja sowieso meine Schuld, wenn Sie schlechte Laune haben. Ja, ich weiß, dass „Sie Volltrottel“ nur ein kleiner Scherz war, und weil Sie so witzig waren, geht dieser Drink natürlich auf´s Haus. Wie immer. Diesmal ohne Sahne.

Ich habe übrigens auch die Fähigkeit, die Bar nach Belieben umzubauen, zu vergrößern und Tische zu schreinern. Natürlich haben wir Sylvester noch einen Fenstertisch für 8 Personen frei. Welches Datum heute ist? Der 30.12., warum?

Selbstverständlich behalte ich immer den Überblick über meine Gäste. Auch wenn wir ungefähr 2000 Besucher haben, weiß ich immer, wann und wohin Sie sich umgesetzt haben. Klar finde ich es super, wenn Sie fünf Tische und fünf Aschenbecher benutzen. Ich mag es sehr, wenn ich Ihnen alles hinterhertragen darf. Natürlich geht das auch schneller.

Ich bin Barkeeper. Als solcher ist man automatisch masochistisch veranlagt. Wenn Sie an meiner Bar ein Rinderfilet mit fünf verschiedenen Saucen (die Hollandaise und die Pfefferrahmsauce aber bitte à part), bestellen, statt Karotten lieber Spargel (erwähnte ich, dass wir Dezember haben?) hätten und es schön wäre, wenn die Bratkartoffeln einzeln ausgarniert wären, reißt mir die Küche den Kopf ab. Aber gerade das mag ich so an meinem Beruf.

Es macht mir auch gar nichts aus, die Rechnung für Ihren Tisch mit 23 Personen schnell mal zu splitten. Ich habe zwar vor dem Buchen gefragt, ob Sie getrennte Rechnungen wünschen, aber wenn Sie es sich spontan anders überlegt haben – kein Problem. Unser Kassensystem ist übrigens so alt, dass es schon die Kollegen unserer Vorväter benutzt haben (und ich kann diese Keilschrift auch sehr schlecht lesen), aber da Sie alle ja im Prinzip stante pede weg müssen, beeile ich mich selbstverständlich endlich mal. Erst mal muss ich aber meinen Kassenhinkelstein hier einlesen.

Ich spreche auch alle möglichen Sprachen, doch besonders gut bin ich in nonverbaler Konversation: Naserümpfen bedeutet „Eine Cuba Libre , aber mit Sprite, bitte.“, Grunzen heißt „Es wäre sehr freundlich, wenn Sie mir noch ein Bier machen würden.“. Ich weiß ebenfalls, dass Sie auf Ihre Getränke einen Sonderrabatt haben, weil Sie schon seit 17 Jahren zu uns kommen. Diese Bar gibt es erst seit 5 Jahren. Ich habe Sie noch nie gesehen – mein Fehler, ich weiß.

Ich weiß übrigens auch wie das Wetter in diesem Sommer wird und welches die günstigste Verbindung von hier nach Kleinkirchenweilach ist. Außerdem hab ich natürlich auch sämtliche Zigarettenmarken hinter der Bar.
Ich bin Barkeeper. Ich muss immer alles wissen, können, möglichst schnell erledigen und auf jeden lustigen Scherz eingehen. Als Barkeeper besitze ich logischerweise einen IQ unterhalb der Zimmertemperatur.

Ich bin gern Barkeeper, denn man erlebt die schönsten Dinge. Es ist schön, zuzuschauen wenn sich die Gäste mit dem Stierer in den Ohren bohren und auch an Ihren Krampfadern bin ich sehr interessiert. Es ist schön, wenn Gäste denken, dass ich taub bin für Bargespräche, in die ich nicht involviert bin, dann erfahre ich endlich mal, wie geil der Hintern meiner Kollegin aussieht. Ich selber bin wahrscheinlich sowieso schwul. Für dieses Kompliment verzichte ich gern auf mein Trinkgeld. Aber diesmal bitte mit Sahne!

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